Abmahnung wegen fehlender Barrierefreiheit – Was nun?
Eine Abmahnung wegen fehlender Barrierefreiheit ist für viele Unternehmen ein Schock. Plötzlich flattern Anwaltsschreiben ins Haus, es drohen Fristen und Kosten, und die Unsicherheit ist groß. Doch Panik ist der falsche Ratgeber. Mit dem richtigen Vorgehen können Sie die Situation bewältigen, weitere rechtliche Schritte vermeiden und Ihre Website zukunftssicher machen.
Seit dem Inkrafttreten des BFSG am 28. Juni 2025 nehmen Abmahnungen wegen fehlender digitaler Barrierefreiheit deutlich zu. Spezialisierte Anwaltskanzleien und Verbraucherschutzverbände prüfen systematisch Websites auf Verstöße. Aber auch Einzelpersonen, die durch Barrieren an der Nutzung gehindert werden, können rechtliche Schritte einleiten. Die gute Nachricht: Mit schnellem und richtigem Handeln lassen sich die meisten Probleme lösen.
Was ist eine Abmahnung und warum erhalten Sie diese?
Eine Abmahnung ist eine formelle Aufforderung, ein rechtswidriges Verhalten zu unterlassen und die Rechtsverletzung zu beseitigen. Sie gibt Ihnen die Möglichkeit, den Mangel außergerichtlich zu beheben, bevor es zu einem teuren Gerichtsverfahren kommt.
Typische Gründe für Abmahnungen:
- Fehlende oder unzureichende Alt-Texte für Bilder
- Kontraste, die nicht den Mindestanforderungen entsprechen
- Formulare ohne korrekte Labels oder Fehlermeldungen
- Fehlende Tastatur-Zugänglichkeit wichtiger Funktionen
- Videos ohne Untertitel oder Transkripte
- Unzugängliche PDF-Dokumente
- Navigation, die mit Screenreadern nicht funktioniert
- Fehlende Barrierefreiheitserklärung
Die Abmahnung kommt meist von spezialisierten Anwaltskanzleien, die im Auftrag betroffener Personen oder Verbände handeln. Manchmal auch direkt von Nutzern, die durch Barrieren an der Nutzung Ihrer Website gehindert wurden.
Geltungsbereich:
Gilt für alle Unternehmen, die mehr als 9 Beschäftigte haben oder deren Jahresumsatz 2 Millionen Euro übersteigt.
ONLINE -INTERAKTIONEN:
Webseiten, Plattformen, und Apps für den Austausch mit Kunden
Sofortmaßnahmen nach Erhalt einer Abmahnung
Schritt 1: Ruhe bewahren und nicht ignorieren
Der größte Fehler ist, eine Abmahnung zu ignorieren. Die gesetzten Fristen sind bindend, und Untätigkeit führt zu verschärften rechtlichen Konsequenzen. Nehmen Sie die Abmahnung ernst, aber verfallen Sie nicht in Panik.
Schritt 2: Abmahnung prüfen lassen
Lassen Sie die Abmahnung von einem spezialisierten Anwalt für IT-Recht oder Barrierefreiheit prüfen. Nicht jede Abmahnung ist berechtigt, und manchmal sind die Forderungen überzogen.
Wichtige Fragen:
- Sind die genannten Verstöße tatsächlich vorhanden?
- Ist die Frist angemessen?
- Sind die geforderten Kosten berechtigt?
- Besteht tatsächlich eine rechtliche Verpflichtung?
Schritt 3: Dokumentieren Sie alles
Erstellen Sie Screenshots des aktuellen Zustands Ihrer Website. Dokumentieren Sie alle Schritte, die Sie zur Behebung unternehmen. Dies kann später wichtig sein, um guten Willen und Kooperationsbereitschaft nachzuweisen.
Schritt 4: Nicht vorschnell unterschreiben
Die Abmahnung enthält oft eine Unterlassungserklärung mit Vertragsstrafe. Unterschreiben Sie diese nicht ohne anwaltliche Beratung. Eine zu weitreichende Erklärung kann Sie bei späteren, geringfügigen Verstößen teuer zu stehen kommen.
Die rechtliche Situation verstehen
BFSG und Ihre Verpflichtungen
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpflichtet Unternehmen, die digitale Produkte oder Dienstleistungen für Verbraucher anbieten, zur Einhaltung der WCAG 2.1 Level AA Standards. Dies betrifft:
- Online-Shops und E-Commerce-Plattformen
- Banking- und Versicherungs-Websites
- Buchungsportale und Ticket-Systeme
- E-Learning-Plattformen
- Telekommunikations-Dienstleister
- Software und Apps für Verbraucher
Ausnahmen: Reine B2B-Anbieter fallen oft nicht unter das BFSG. Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern und unter 2 Millionen Euro Jahresumsatz sind ebenfalls ausgenommen.
Mögliche rechtliche Konsequenzen
Wenn Sie nicht handeln, drohen:
- Unterlassungsklagen mit einstweiligen Verfügungen
- Bußgelder durch Behörden
- Schadensersatzforderungen betroffener Nutzer
- Imageschaden durch öffentliche Berichterstattung
- Weitere Abmahnungen bei anderen Verstößen
Die Kosten können schnell mehrere Tausend bis Zehntausend Euro erreichen – deutlich mehr als die präventive Umsetzung von Barrierefreiheit gekostet hätte.
Präventive Maßnahmen für die Zukunft
Wiederkehrende Prüfungen
Setzen Sie Tools ein, die Ihre Website regelmäßig auf Barrierefreiheit prüfen. So erkennen Sie neue Probleme frühzeitig, bevor sie zu Abmahnungen führen.
Schulung Ihres Teams
Entwickler, Designer und Content-Manager sollten Grundkenntnisse in Barrierefreiheit haben. So werden neue Inhalte und Features von Anfang an zugänglich entwickelt.
Barrierefreiheit in Prozesse integrieren
Machen Sie Barrierefreiheit zu einem festen Bestandteil Ihres Qualitätsmanagements. Jedes neue Feature sollte auf Barrierefreiheit geprüft werden, bevor es live geht.
Externe Audits einplanen
Lassen Sie Ihre Website regelmäßig extern prüfen. Frische Augen entdecken Probleme, die intern übersehen werden.
Feedback-Kanal einrichten
Bieten Sie Nutzern eine einfache Möglichkeit, Barrierefreiheitsprobleme zu melden. So können Sie Probleme beheben, bevor sie zu Abmahnungen führen.
Typische Fehler vermeiden
Fehler 1: Nur das Minimum tun: Wer nur die konkret abgemahnte Barriere behebt, riskiert die nächste Abmahnung. Nutzen Sie die Gelegenheit für eine umfassende Verbesserung.
Fehler 2: Keine rechtliche Beratung: Spezialisierte Anwälte kennen die Rechtslage und können Ihre Position stärken. Die Kosten für Beratung sind deutlich geringer als die Folgekosten falscher Reaktionen.
Fehler 3: Fristen missachten: Ignorierte oder verpasste Fristen verschärfen die Situation dramatisch. Reagieren Sie rechtzeitig, auch wenn Sie mehr Zeit benötigen.
Langfristige Perspektive
Eine Abmahnung ist unangenehm, aber auch eine Chance. Sie zwingt Sie, ein Thema anzugehen, das Sie ohnehin hätten angehen müssen. Unternehmen, die nach einer Abmahnung systematisch an ihrer Barrierefreiheit arbeiten, berichten oft von positiven Nebeneffekten:
- Bessere Nutzererfahrung für alle
- Höhere Conversion-Rates
- Größere Zielgruppe
- Verbesserte SEO-Rankings
- Positives Markenimage
Sehen Sie die Abmahnung als Weckruf, nicht als Katastrophe. Mit der richtigen Herangehensweise machen Sie aus einem Problem eine Chance für Ihr Unternehmen.
BarriGo. unterstützt Sie in der Krisensituation
Eine Abmahnung erfordert schnelles, aber gezieltes Handeln. BarriGo. hilft Ihnen dabei, die konkret gerügten technischen Verstöße sichtbar zu machen und nachvollziehbar zu beheben. Mit BarriGo.Live Inspect erkennen Sie technische Barrieren direkt auf Ihrer Website und können transparent dokumentieren, welche Schritte Sie zur Behebung einleiten.
Ergänzend unterstützt das BarriGo.Tool Ihre Nutzer durch zusätzliche Zugänglichkeitsfunktionen wie Kontrast-, Text- und Darstellungshilfen. Diese Funktionen ersetzen keine technische Barrierefreiheit, verbessern jedoch die Nutzbarkeit der Website für viele Besucher und ergänzen Ihre Gesamtstrategie sinnvoll.
Für eine dauerhaft hohe technische Qualität empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung Ihrer Website mit BarriGo. Live Inspect, insbesondere nach Updates, Designanpassungen oder neuen Inhalten. So behalten Sie mögliche neue Barrieren im Blick und können frühzeitig reagieren.